


Auch Marcel Scheible (*1974 Basel) hat dem Objekt Buch umfangreiche Werkgruppen gewidmet. Er arbeitete bereits 2010 im historischen Lesesaal der Bibliothek der Basler Schule für Gestaltung mit den dort in den Regalen vorhandenen Bänden, arrangierte sie in ausgreifenden Installationen jeweils neu und reagierte so auf den besonderen Raum.
Ein Jahrzehnt später entstand eine umfangreiche Werkgruppe inszenierter Fotografien mit Büchern. Er versah diese mit neuen Umschlägen, auf denen wie bei Künstlermonographien der Name eines Künstlers oder einer Künstlerin zu lesen war. Auf spielerisch witzige und einfallsreiche Art stellte Scheible diese Bände dann in seinen Fotografien so zusammen, dass aus den Namen im Kopf der Betrachtenden wieder ein neues Bild entsteht: Aus aufeinander gestapelten Publikationen beispielsweise zu (Suzanne) Valadon, (Albrecht) Altdorfer, (Ernst Ludwig) Kirchner und (Lucio) Fontana die Ansicht eines idyllischen Örtchens in einem Tal mit Kirche und Brunnen.
Formal schlichter und gleichzeitig tiefgründiger sind die Werke aus der Serie Gewichtige Argumente von 2021. Dort sehen wir auf einer Fotografie einen umfangreichen Band, der mit seinem einfachen, doch bedeutungsschweren Titel Alles eine Antwort auf alle unsere Fragen verspricht. Trotz unseres Wissens um die Möglichkeit der Täuschung durch fotografische Techniken verfallen wir einen Moment lang der lllusion, ein solches Buch gäbe es wirklich. Denn es ist ja fotografiert worden und hängt als monumentales Bild uns vor Augen. Sein Pendant verspricht einen Blick in das Nichts, das zweite Bilderpaar vereint die Extreme von Immer und Nie.
aus dem Katalogtext «Bilder-Bücher und Bücher-Bilder» von Heinz Stahlhut | Ausstellung WELTWISSEN im Hans Erni Museum 2024



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